17.02.2021

Geisteswissenschaftliches Verbundprojekt zur Klimawandelkompetenz gefördert durch die VolkswagenStiftung

Schon lange ist klar, dass der Klimawandel ein so umfassendes Problem ist, dass alle wissenschaftlichen Disziplinen an seiner Bewältigung mitwirken müssen. Was aber die Literaturwissenschaft hier beitragen kann, ist vielleicht nicht gleich einsichtig. Hierzu haben Prof. Dr. Julia Hoydis (anglistische Literaturwissenschaftlerin, zur Zeit Universität Graz), Prof. Dr. Roman Bartosch (Literaturdidaktiker, Universität zu Köln) und Prof. Dr. Jens Martin Gurr (Anglist an der UDE) gerade ein Projekt von der VolkwagenStiftung, der größten privaten deutschen wissenschaftsfördernden Stiftung, eingeworben.

Projektleiterin Julia Hoydis erklärt: "Das Förderformat 'Originalitätsverdacht' passt genau zu unserem Vorhaben. Abseits ausgetretener Pfade können hier einzelne Wissenschaftler*innen oder kleine Projektteams neue Theorien, Konzepte oder Ansätze entwickeln und erproben und in einem Aufsatz oder einem gemeinsamen Buch zur Diskussion stellen." In dieser Förderlinie wurden in den letzten Jahren meist weniger als 10% der Anträge bewilligt. Das Projekt "Climate Change Literacy" der drei Forscher*innen wurde hier nun ausgewählt und wird ab Oktober 2021 für 12 Monate mit rund 140.000 € gefördert. Finanziert werden insbesondere Forschungssemester und damit wertvolle Zeit zum gemeinsamen Denken und Schreiben. Roman Bartosch erklärt: "Vor dem Hintergrund einer rein naturwissenschaftlich geprägten Verengung des Begriffs "literacy" auf einen kompetenten Umgang mit Daten wollen wir zeigen, wie wichtig ein breiteres, auch kulturwissenschaftliches und schließlich literaturdidaktisches Verständnis von "literacy", wörtlich ja "Lesefähigkeit", ist. Wir wollen damit auch einen Beitrag zum rasch wachsenden Feld interdisziplinärer Klimawandelforschung leisten." Das Projekt reagiert damit auf die eindringlichen wissenschaftlichen wie politischen Plädoyers, die Herausforderungen des Klimawandels und seiner Einbettung in komplexe individuelle gesellschaftliche kulturelle Kontexte anzugehen. Jens Martin Gurr erläutert: "Ein zentrales Problem ist doch, dass wir alle theoretisch wissen, dass wir handeln müssen – und wir wissen auch, was zu tun ist. Wir erleben aber als Einzelne den Klimawandel als ein so großes, komplexes und – noch jedenfalls – oft abstraktes Phänomen. Und wir haben als Einzelne oft das Gefühl, dass es auf unseren persönlichen Beitrag doch gar nicht ankommt." Hierzu entwickelt das Projekt ein neues Verständnis von "Klimawandelkompetenz", das auf einer Neubewertung der Möglichkeiten und Leistungen von Literatur beruht. Die Zusammenarbeit zwischen Literatur-, Kulturwissenschaft und Literaturdidaktik hat dabei das Potenzial, wichtige Einsichten zur Rolle von Geschichten und darauf aufbauenden Handlungsoptionen zu erlangen.

Kontakt für Rückfragen:

Prof. Dr. Julia Hoydis

julia.hoydis_at_uni-due.de

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